Isar-Amper-Klinikum
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Klinik Taufkirchen (Vils)


Station S4

Qualifizierte Drogenentzugsbehandlung



Sucht und Abhängigkeit

 

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Was versteht man unter Sucht und Abhängigkeit?

Die Begriffe Sucht und Abhängigkeit werden häufig gleichzeitig gebraucht und beschrieben. Sucht ist stets, wenn auch nicht immer anerkannt, eine Krankheit. Man versteht darunter eine krankhafte, zwanghafte Abhängigkeit von Stoffen, das Verlangen nach einer ständigen bzw. erneuten Einnahme dieser Stoffe, um ein bestimmtes Lustgefühl zu erreichen oder Unlustgefühle zu vermeiden.
Sucht ist ein psychisches Problem, mit in der Regel bald auftretenden sekundären, körperlichen und sozialen Folgen.

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Sucht 1957 wie folgt definiert:

"Sucht ist ein Zustand periodischer und chronischer Vergiftung, hervorgerufen durch den wiederholten Gebrauch einer natürlichen oder synthetischen Droge und gekennzeichnet durch 4 Kriterien:

  • Ein unbezwingbares Verlangen zur Einnahme und Beschaffung des Mittels
  • Eine Tendenz zur Dosissteigerung (Toleranzerhöhung)
  • Die psychische und meist auch physische Abhängigkeit von der Wirkung der Droge
  • Die Schädlichkeit für den Einzelnen und/oder die Gesellschaft"

Ein regelmäßiger oder dauernder Substanzgebrauch führt zu einer physischen und/oder psychischen Abhängigkeit.

Von physischer Abhängigkeit spricht man, wenn nach Absetzen der Droge körperliche Entzugserscheinungen wie Schweißausbrüche, Frösteln, Muskelkrämpfe, Erbrechen, Schlafstörungen etc. auftreten. Beginn und Verlauf der Entzugssymptome sind zeitlich begrenzt und abhängig von der konsumierten Substanz und ihrer Dosis.

Psychische Abhängigkeit bedeutet ein starkes seelisches Verlangen oder ein starker Wunsch eine Substanz zu konsumieren um den Drogeneffekt zu wiederholen. Das Verlangen den Drogenkonsum fortzusetzen ist sehr stark und nicht mehr steuerbar.

Nach dem Klassifikationssystem ICD 10 herausgegeben von der WHO, liegt eine Abhängigkeit von psychotropen Substanzen dann vor, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Die Substanz wird häufig in größeren Mengen oder länger als beabsichtigt eingenommen.
  • Anhaltender Wunsch oder ein oder mehrere erfolglose Versuche, den Substanzgebrauch zu verringern oder zu kontrollieren.
  • Viel Zeit für Aktivitäten, und die Substanz zu beschaffen, sie zu nehmen oder sich von ihrer Wirkung zu erholen.
  • Häufiges Auftreten von Intoxikations- oder Entzugserscheinungen, wenn eigentlich die Erfüllung wichtiger Verpflichtungen bei der Arbeit und zu Hause erwartet wird oder wenn die Einnahme einer Substanz zu körperlichen Gefährdung führt.
  • Wenn soziale, berufliche oder Freizeitaktivitäten aufgrund des Substanzmissbrauchs aufgegeben werden.
  • Fortgesetzter Substanzmissbrauch trotz Kenntnis eines anhaltenden sozialen oder körperlichen Problems.
  • Ausgeprägte Toleranzentwicklung: Verlangen nach Dosissteigerung, um einen bestimmten Effekt herbeizuführen.
  • (Beachte: trifft nicht zu bei Cannabis, Halluzinogenen und PCP = Phencyclidin!)
  • Charakteristische Entzugssymptome.
  • Häufige Einnahme der Substanz, um Entzugssymptome zu vermeiden"


Warum wird jemand drogenabhängig?

Es gibt verschiedene Erklärungsansätze und die die Literatur zu diesem Thema ist zahlreich. Die Antwort auf diese Frage wird immer wieder anders aussehen.

Sucht hat nie eine einzige Ursache, sondern entsteht aus einem Ursachengefüge. Sucht entsteht auch nicht von heute auf morgen sondern in einem schleichenden Prozess.

Ursachen können zum einen in der Persönlichkeit des Betroffenen liegen, wenn er nicht gelernt hat, Stresssituationen zu bewältigen, er nicht weiß mit Gefühlen wie Angst, Wut, Traurigkeit umzugehen.

Ursachen können aber auch in sozialem Milieu liegen, gestörte Familienverhältnisse, Schwierigkeiten in der Schule und am Arbeitsplatz sowie finanzielle Probleme.

Eine große Rolle spielt natürlich auch der leichtfertige Umgang mit Suchtstoffen. Selbstüberschätzung ("… ich kann schon damit umgehen, ich werde schon nicht abhängig…") führt oft zum Einstieg in eine Suchtkarriere.

Heroin

Starke psychische und physische Abhängigkeit ist meist schon nach kurzer Zeit vorhanden. Hierbei spielt es keine Rolle, ob das Heroin inhaliert, geschnupft oder injiziert wird. Besondere Risiken bestehen bei nicht sterilen Spritzen. Es kann zu Infektionen kommen wie Hepatitis, HIV, Abszesse etc.

Bei den Konsumenten treten Konzentrationsstörungen auf und die Leistungsfähigkeit geht zurück. Wird kein Stoff zugeführt, treten Entzugserscheinungen wie Unruhe, Nervosität, Schlafstörungen, Erbrechen, Krämpfe, und starke Schmerzen auf.

Wegen der starken Abhängigkeit ist dem Betroffenen jedes Mittel recht, sich das Heroin zu beschaffen.


Kokain

Die psychische Abhängigkeit ist besonders stark, sie kann bereits nach kürzester Zeit auftreten. Häufig werden Konsumenten ein Gemisch aus Kokain und Heroin verkauft, so dass sie, ohne es zu wissen, in kürzester Zeit von beiden Substanzen abhängig werden.

Besondere Risiken bei der Einnahme ist das Bedürfnis, die Dosis sehr schnell zu steigern, dies kann zu starken Gehirnschäden führen, die sog. Paralyse (Gehirnerweichung). Es treten auch häufig paranoide oder schizophrene Zustände.

Kokain wirkt Gefäßverengend auf die Herzkranzgefäße, fördert eine Thrombusbildung und führt zu einem größeren Sauerstoffverbrauch des Herzens.


Crack

Das Alkaloid Kokain (Kokainhydrochlorid) kann durch wenige chemische Schritte aus den Blättern des Kokastrauches gewonnen werden. Crack ist die aus Kokainhydrochlorid gewonnene Kokainbase, die durch hinzufügen von Natriumbikarbonat und erhitzen des in Wasser gelösten Kokains entsteht. Crack wird geraucht. Es gelangt über die Lunge in die Blutbahn und wegen seiner großen Fettlöslichkeit schneller als Kokain in das zentrale Nervensystem.


LSD

Es tritt eine starke psychische Abhängigkeit ein. Besondere Risiken beim LSD-Rausch sind vor allem die verstärkte Grundstimmung, wo es z. B. bei depressiver Ausgangslage zum sog. Horror-Trip kommen kann, mit starken Angstzuständen, welche über Stunden anhalten können. Noch Wochen und Monate nach der letzten Einnahme können sich Wahnvorstellungen halten und es können Zustände auftreten, in denen das Gefühl für die Wirklichkeit verloren geht. Chronischer Missbrauch verändert die Persönlichkeit und es sind bleibende Schäden möglich.


Synthetische Drogen

Es tritt eine starke psychische Abhängigkeit ein. Der Reinheitsgehalt und die Zusammensetzung des Stoffes sind fast nie bekannt. Rauschdauer und Intensität sowie Nebenwirkungen und gefahren sind vollkommen unkalkulierbar. Jeder Konsument ist ein "Versuchskaninchen". Häufig werden Psychosen mit optischen und akustischen Sinnestäuschungen und Erregungszuständen, sowie schizophrenieähnliche paranoide Zustände beobachtet. Es kann zu Fehleinschätzungen von Situationen kommen zu Realitätsverlust und tagelangem konfusem Verhalten.

Einteilung der Substanzen

Sedierende Substanzen (z.B.):

  • Cannabis (zum -Teil)
  • Heroin
  • Lachgas
  • Opium oder Opioide

Müdigkeit und Antriebsminderung kommen fast immer vor, besonders beim Abklingen des Rausches. Teilweise zeigt sich eine heiternde Albernheit, teilweise eine ruppige Gereiztheit. Deutliche Koordinations-, Merkfähigkeit- und Konzentrationsstörungen sind vorhanden, wobei das formale Denken eher erhalten bleibt. Eine allgemeine Muskelerschlaffung und eine lallende Sprache des Betroffenen machen sich bemerkbar.

Als Komplikation sind Bewusstlosigkeit, Atemstillstand und Aspiration.

Stimulierende Substanzen (z.B.):

  • Amphetamine
  • Kokain
  • Euphoria

Die Leitzeichen sind die Antriebssteigerung mit erhöhter Wachheit, verbunden mit Rededrang, Tatendrang und Unruhe. Meist haben die Betroffenen eine deutlich erhöhte Selbstsicherheit und/oder Selbstüberschätzung bis hin zur schroffen Arroganz und Nichtbeachtung Anderer. Schlaf ist nicht möglich, die Aufforderung sich hinzulegen und ruhig zu sein kann bei Angstzuständen noch zu mehr Angst und Unruhe führen. Die Muskulatur ist meist angespannt bei verstärkten Reflexen

.Als Komplikation treten häufig Angst (Verfolgungswahn), Tastsinnhalluzinationen in Form von kleinen krabbelnden Tieren und Aggressivität auf. Auf Krampfanfälle, Bluthochdruckkrisen und Herzrhythmusstörungen ist zu achten.

Halluzinogene Substanzen (z.B.):

  • Cannabis
  • Engelstrompete
  • LSD
Wie der Name schon sagt ist das halluzinatorische Erleben das Leitsymptom. Meistens werden Farben, Formen, und Sinneseindrücke in traumhaften Zuständen vermischt. Der Betroffene ist entweder aktiv mit dem Erlebten beschäftigt oder versinkt immer wieder in eine tagtraumähnliche Zurückgezogenheit. Je nachdem, wie das Erlebte aufgefasst wird, ist der Betroffene erregt oder unruhig. Das formale Denken ist deutlich beeinträchtigt, der Begriff Zeit schwer zu verstehen und eine sprachliche Verständigung kann sehr kompliziert sein.