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Hauspost November 2005,
Leitartikel von Prof. Dr. Dose
Qualität
mit Brief und Siegel
Nach Abschluss einer 2-tägigen Visitation konnte das
Visitoren-Team der Firma LGA-Intercert, bestehend aus einer pflegerischen
Visitorin (Frau Rautenberg aus dem Psychiatrischen Landeskrankenhaus Osnabrück),
einem ärztlichen Visitor (Prof. Härter von der Psychiatrischen
Universitätsklinik Freiburg) und einem ökonomischen Visitor (Herr Steffens,
Krankenhausdirektor einer AHB-Klinik in Bad Lauterberg/Harz), der
Krankenhausleitung und dem Qualitätsteam des BKH Taufkirchen (Vils) die gute
Mitteilung machen, dass die Visitoren die Zertifizierung des
Bezirkskrankenhauses Taufkirchen (Vils) nach den Kriterien der „Kooperation für
Transparenz und Qualität“ (KTQ) empfehlen werden.
Damit ist ein Prozess planmäßig und erfolgreich vorerst abgeschlossen, den die
Leitung des BKH Taufkirchen gemeinsam mit einem im Juli 2003 konstituierten
Projektteam (siehe Kasten) eingeleitet hatte.
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Herr Dr. Marquard |
Oberarzt der
Gerontopsychiatrie / QMB |
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Herr Dr. Alzinger |
Arzt, Med. Informatiker /
QMB |
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Herr Bichlmaier |
Innerbetriebliche
Fortbildung / QMB |
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Herr Neumeier |
Stationsleitung / QMB |
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Frau Schreglmann |
Beschwerdemanagement / QMB |
Zu den Hintergründen:
Qualitätssichernde Maßnahmen waren an den Bezirkskrankenhäusern
des Bezirks Oberbayern bereits ab 1993 auf Initiative des Bezirks ein- und im
Seeoner Arbeitskreis „Qualitätsmanagement“ zusammengeführt worden. In den
folgenden Jahren gehörte das BKH Taufkirchen – nachdem es die geforderten
Kriterien erfüllt hatte – zu dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
geförderten „Netz gesundheitsfördernder Krankenhäuser“, was bereits mit der
kontinuierlichen Organisation qualitätssichernder Maßnahmen verbunden war.
Nachdem absehbar war, dass alle Krankenhäuser ab dem Jahr 2005 gesetzlich
verpflichtet sein würden, strukturierte Qualitätsberichte zu veröffentlichen,
entschloss sich die Krankenhausleitung, diesen Prozess der kontinuierlichen
Qualitätsverbesserung mit einer Zertifizierung nach einem
Qualitätsmanagementsystem einhergehen zu lassen.
In den Jahren 2001/2002 überprüfte eine kleine Projektgruppe, bestehend aus
Herrn Bichlmaier, Herrn Dr. Marquard und Herrn Neumeier im Auftrag der
Krankenhausleitung, ob das Verfahren „Kooperation für Transparenz und Qualität /
KTQ“ für ein psychiatrisches Krankenhaus „praxistauglich“ wäre. Im Frühjahr 2002
bewarb sich das Bezirkskrankenhaus Taufkirchen (Vils) als „Pilotkrankenhaus“ für
die Testphase eines speziellen Qualitätskataloges, der zwischenzeitlich für die
Psychiatrie entwickelt worden war, wurde aber leider nicht berücksichtigt.
Im Jahr 2003 wurde aber dann das Projekt einer Zertifizierung nach den Kriterien
von KTQ offiziell auf den Weg gebracht.
Qualitätsmanagement nach KTQ
Im September/Oktober 2003 fanden – organisiert von der
Krankenhausleitung und dem Qualitätsteam (gemeinsam mit einem Vertreter des
Personalrates künftig die „Qualitätskommission“) – Auftaktveranstaltungen zum
Qualitätsmanagement am BKH Taufkirchen (Vils) statt, die von 99 % aller
Mitarbeiter/-innen des Krankenhauses besucht wurden.
Bei diesen Auftaktveranstaltungen wurden an alle Mitarbeiter/-innen Fragebögen
zur Mitarbeiter- und Arbeitszufriedenheit verteilt, deren Ergebnisse eine
wichtige Grundlage qualitätsfördernder Maßnahmen im Bereich der
„Mitarbeiterorientierung“ werden sollten. Über die Ergebnisse dieser
Mitarbeiterbefragung wurde in drei Informationsveranstaltungen informiert. Als
praktische Konsequenz der Mitarbeiterbefragung wurden z.B. regelmäßige
Mitarbeitergespräche mit den zuständigen Vorgesetzten beschlossen und
eingeführt.
Die gemeinsame Entscheidung des Qualitätsteams und der Krankenhausleitung für
eine Zertifizierung nach „KTQ“ (und nicht – was auch möglich gewesen wäre – DIN
ISO) hatte vor allem den Grund, dass von Anfang an Wert auf ein
krankenhausspezifisches und patientenorientiertes Qualitätsmanagement gelegt
wurde, was bei KTQ am besten gewährleistet schien.
Darüber hinaus war es von Anfang an der gemeinsame Wunsch der
Qualitätskommission, dass das „Qualitätsmanagement“ am BKH Taufkirchen (Vils)
nicht eine uninformierten und unmotivierten Mitarbeiter/-innen von „oben“
aufgepfropfte Angelegenheit, sondern mit einem hohen Maß an „Durchdringung“
Angelegenheit jeder einzelnen Mitarbeiterin, jedes einzelnen Mitarbeiters werden
sollte.
Dass dieser Anspruch eingelöst werden konnte, zeigen nicht nur die (siehe
Kasten) eindrucksvollen Zahlen der Teilnahme an Seminaren zum
Qualitätsmanagement, der Projektwochen zum Qualitätsmanagement und der 28
Qualitätszirkel aus den verschiedensten Berufsgruppen, an denen über 100
Mitarbeiter/-innen beteiligt waren und die sich 168 Mal trafen, sondern
letztlich auch der erfolgreiche Abschluss des Zertifizierungsprozesses.
Fort- und
Weiterbildungen:
-
Supervision durch Dr. Sänger
(40 Stunden)
-
3 Auftaktveranstaltungen zum
Qualitätsmanagement (von 99 Prozent aller Mitarbeiter/innen des Hauses
besucht)
-
Mitarbeiterbefragung und 3
Informationsveranstaltungen zu den Ergebnissen
-
Fortbildung: Grundlagen des
Qualitätsmanagements (vier Stunden)
-
Mehrere Fortbildungen:
Qualitätsmanagement - Aktueller Stand
-
Fortbildungsreihe mit
insgesamt neun zweitägigen Seminaren zum Qualitätsmanagement (184 Teilnehmer,
2.802 Stunden)
-
Weiterbildung einer
Mitarbeiterin Qualitätssicherung einer Station (QSS) 10-tägig
-
Weiterbildung von 11
Mitarbeitern zu Qualitätsmanagement-Beauftragten (QMB) 27-tägig
-
Darauf aufbauend Weiterbildung
von 2 Mitarbeitern zu Qualitätsberatern (QB) 15-tägig
-
Weiterbildung von 12
Mitarbeitern zu Internen Auditoren 3-tägig
-
Im Rahmen der Projektwochen
Qualitätsmanagement 18 Fortbildungen für alle Stationen / Bereiche mit
insgesamt 189 Teilnehmern/innen
-
Drei einstündige
Veranstaltungen zum neuen Dokumentenlenkungssystem
-
Acht 2stündige Fortbildungen
Qualitätsmanagement als Vorbereitung für die Zertifizierung mit insgesamt 207
Teilnehmer/innen
-
5 Fortbildungen zum Ergebnis
Mitarbeitergespräche, Einweisung in die VA Fixierung auf allen Stationen,
Kurzfortbildung zum QM-Ergebnis Medikamentenausgabe,
Fortbildung zum QM-Ergebnis Sturzprophylaxe (September 2005) ...
Qualitätsarbeit und Zertifizierung:
-
Freistellung von insgesamt
einer Stelle
-
75 Sitzungen des
Qualitätsteams
-
21 Sitzungen der
Qualitätskommission
-
Teilnahme an den Sitzungen der
Krankenhauskonferenz, des Seeoner-Arbeitskreises und des AK QMB Oberbayern
-
Regelmäßige Berichterstattung
in der Hauspost, im Newsletter und im Intranet
-
Erstellen des
Qualitätsberichtes an den Bezirk
-
Erstellen des gesetzlichen
Qualitätsberichtes
-
Erstellen der Selbstbewertung
nach KTQ (100 Seiten)
-
Aufbau der QM-Seiten im
Intranet
-
Aufbau der Dokumentenlenkung
-
Aufbau des
Beschwerdemanagements
-
28 Qualitätszirkel geleitet
oder moderiert vom Q-Team
-
diese trafen sich insgesamt
168 mal
-
es waren über 100 Mitarbeiter
an der Qualitätszirkelarbeit beteiligt
-
Erstellen und Durchführen
eines Projektplanes zur Einführung des QM und zur erfolgreichen
KTQ-Zertifizierung
-
Auswahl der
Zertifizierungsstelle (4 Vorstellungstermine)
-
Planung und Durchführung einer
Probevisitation
-
Vorbereitung und Begleitung
der KTQ-Visitation
Stärken und Schwächen:
In der Abschlussbesprechung der Visitoren mit dem KTQ-Team wurden
der Qualitätskommission (bestehend aus Krankenhausleitung, Qualitätsteam und
Personalrat) zu den 6 Hauptkriterien des Qualitätsmanagement
-
Patientenorientierung in der Krankenversorgung,
-
Sicherstellung der Mitarbeiterorientierung,
-
Sicherheit im Krankenhaus,
-
Informationswesen,
-
Krankenhausführung und
-
Qualitätsmanagement
die besonders hervorzuhebenden Stärken, aber auch die Bereiche
aufgezeigt, in denen das Visitoren-Team (in weitgehender Übereinstimmung mit der
Qualitätskommission) noch weitere Entwicklungsmöglichkeiten sieht.
Bezüglich der Patientenorientierung wurde – was die
gesamte Durchführung der Patientenversorgung anbelangt – insgesamt ein hohes Lob
ausgesprochen. Alle drei Stationen des Hauses 8, aber insbesondere das
„Huntington-Zentrum Süd“ wurden in diesem Zusammenhang als vorbildlich
organisierte Behandlungseinheiten hervorgehoben. Entwicklungsmöglichkeiten
bestehen vor allem in der Zusammenführung der während des Behandlungsprozesses
in den verschiedenen Therapien gewonnen Eindrücke und Beurteilungen zu einer
Gesamt-Einschätzung des Patienten und einer verbesserten Therapieplanung.
Bezüglich der Mitarbeiterorientierung wurden die
erfolgreichen Bemühungen um eine kontinuierliche Fort- und Weiterbildung aller
Mitarbeiter/-innen lobend hervorgehoben. Entwicklungsmöglichkeiten bestehen auf
dem Gebiet der systematischen Personalentwicklung: Die im Ergebnis einer
Mitarbeiterbefragung eingeführten, regelmäßigen Mitarbeitergespräche sind noch
nicht umfassend realisiert.
Bezüglich der Sicherheit im Krankenhaus wurden die
hervorragenden Bemühungen zum Brandschutz (neue Brandmeldeanlage, regelmäßige
Schulung aller Mitarbeiter/-innen, regelmäßige Brandschutzübungen)
hervorgehoben. Entwicklungsbedarf wurde bei der Vernetzung von Hilfsmaßnahmen im
Rahmen des Katastrophenschutzes mit Einrichtungen und Organisationen des
Landkreises gesehen. Als besonders hervorragend (weil in anderen Krankenhäusern
in dieser Form derzeit noch kein Standard) wurden die Bemühungen des
Krankenhauses im Bereich des Umweltschutzes (Umweltfibel, Mülltrennung,
„Umwelttag“ für die Mitarbeiter/-innen) angesehen, die die Visitoren besonders
beeindruckt hatten.
Im Bereich des „Informationswesen“ wurde das hervorragend
gepflegte und organisierte „Intranet“ des BKH Taufkirchen gelobt, das es
aufgrund seiner Benutzerfreundlichkeit auch den Visitoren in kürzester Zeit
möglich machte, sich alle wesentlichen Informationen über das Krankenhaus aus
dem Intranet zu beschaffen. Entwicklungsmöglichkeiten wurden bezüglich der
pünktlichen Abfassung von Entlassungsberichten für die weiterbehandelnden Ärzte
und im Bereich der Verfügbarkeit von Patientendaten für die verschiedenen
Berufsgruppen gesehen.
Bezüglich der Krankenhausführung wurden die Entwicklung
eines Leitbildes und die im Rahmen des Zertifizierungsprozesses entwickelte
Zielplanung für das BKH Taufkirchen (Vils) hervorgehoben. Bezüglich der
Erfüllung ethischer Aufgaben gaben uns die Visitoren zu überlegen, ob mit
Hinblick auf die Zunahme ethischer Problemstellungen (lebensverlängernde
Maßnahmen, künstliche Ernährung, Patientenverfügung) am BKH Taufkirchen (Vils)
nicht ein ethisches Beratungsgremium für derartige Fragestellungen geschaffen
werden sollte.
Im Bereich des Qualitätsmanagement wurde die hervorragende
Organisation des Qualitätsmanagements durch das Qualitätsteam, dessen
hervorragende Arbeit, aber auch die Arbeit der Qualitätskommission unter
Einbeziehung der Krankenhausleitung und des Personalrates gelobt. Es wurde
angeregt, für die Zukunft noch mehr als bisher qualitätsrelevante Daten (die den
weiteren Qualitätsentwicklungsprozess erst analysierbar und transparent machen
werden) zu sammeln und den eingeschlagenen Weg von Befragungen (Mitarbeiter,
Zuweiser, Patienten und Angehörige) und kontinuierlicher Verbesserungen weiter
fortzusetzen.
Wie es weitergeht?
Der erfolgreiche Abschluss des Zertifizierungsprozesses nach KTQ
wird mit allen Mitarbeiter/-innen des Krankenhauses gebührend gefeiert werden.
Der besondere Dank der Krankenhausleitung gilt in diesem Zusammenhang den
Mitgliedern des Qualitätsteams und dem Personalrat, die gemeinsam mit der
Krankenhausleitung die Qualitätskommission gebildet haben. Darüber hinaus gilt
unser Dank allen Mitarbeiter/-innen, die sich über das Maß des Verlangten und
Üblichen in den Prozess des Qualitätsmanagement eingearbeitet und eingebracht
haben. Besonders gilt der Dank der Krankenhausleitung den
Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern, die – in Vertretung für die für ihre Tätigkeit
freigestellten Mitarbeiter des Qualitätsteams – deren Verantwortung und Arbeit
über mehr als 2 Jahre mitgetragen haben. Ein Dankeschön gilt auch allen, die an
den beiden Tagen der Visitation durch das Visitoren-Team (4. und 5. Oktober
2005) im „kollegialen Gespräch“ das Krankenhaus so überzeugend vertreten
konnten, dass die Zertifizierung gelungen ist.
Nach kurzer „Schnaufpause“ werden wir unsere Kräfte neu sammeln. Ein
Zurücklehnen und „weiter so“ wird es nicht geben. Angespornt von den Hinweisen,
die uns das Visitoren-Team für weitere Entwicklungsmöglichkeiten gegeben hat und
mit Hinblick auf die Punkte, die wir selbst als weiter entwicklungs- und
verbesserungsfähig erkannt haben, werden wir gemeinsam mit allen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Bemühungen um eine kontinuierliche
Verbesserung der Qualität an unserem Krankenhaus fortsetzen. Dies gebietet schon
das Verfahren nach KTQ, das – mit weiterentwickelten, und zum Teil schärferen
Kriterien – eine Neuzertifizierung und –bewertung nach 3 Jahren vorsieht.
PS:
Als die Bemühungen um das Qualitätsmanagement am BKH Taufkirchen (Vils)
begannen, hat unser damaliger Krankenhausdirektor Neupert einmal einen kleinen
Taschenspiegel an alle Mitarbeiter/-innen verteilt, auf dessen Rückseite die
Frage zu lesen war: „Wer ist für die Qualität Ihrer Arbeit verantwortlich?
(bitte wenden)“. Wir sind froh und dankbar, dass sich ganz im Sinne dieses
Spiegels alle unsere Mitarbeiter/-innen für die Qualität ihrer Arbeit in hohem
Maße verantwortlich sehen und blicken mit dieser Gewissheit optimistisch in die
Zukunft.
Für die Krankenhausleitung:
Prof. Dr. med. Matthias Dose
Ärztlicher Direktor
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